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Methodik & Quellen

So rechnet der Bedarfsrechner

Transparente Methodik, nachvollziehbare Annahmen, belegte Quellen. Diese Seite dokumentiert, wie Bedarf, Kosten, Förderung und CO₂-Wirkung im Rechner ermittelt werden – mit den aktuell hinter­legten Werten aus der Datenbank.

1. Einleitung

Der Bedarfsrechner ermittelt für Fahrrad-Abstellanlagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vier Größen: den Stellplatzbedarf, die Investitionskosten, die möglichen Fördermittel und die CO₂-Wirkung der entstehenden Verlagerung vom Pkw aufs Rad. Datenquelle sind die veröffentlichten Normen und Richtlinien der drei Länder sowie etablierte Verkehrs- und Klimadatensätze (UBA / TREMOD, MiD, NRVP).

Was der Rechner nicht ist

  • Keine Kostenberechnung im Sinne der HOAI oder DIN 276 – die Ergebnisse sind eine grobe Vorkalkulation auf Basis von Richtwerten.
  • Kein Ersatz für eine Fachplanung oder eine örtliche Bedarfsuntersuchung.
  • Kein Ersatz für die lokale Stellplatzsatzung – die kommunale Regelung hat im Einzelfall Vorrang.

2. Datengrundlage & Regelwerke

Drei nationale Regelwerke bilden den fachlichen Bezugsrahmen. Der Rechner verwendet sie als Grundlage für Bedarfsschlüssel und Flächenwerte; im Einzelfall gilt stets die kommunale Stellplatzsatzung.

LandRegelwerkJahr
DEFGSV 239 „Hinweise zum Fahrradparken"2012
ATRVS 03.02.13 / RVS-Leitfaden (Salzburg/Kärnten)2022
CHVSS SN 640 065 Bedarfsermittlung Veloparkierung2011

Ergänzend werden kommunale Stellplatzsatzungen (z. B. Musterstellplatzsatzung NRW 2019, Wiener Bauordnung 2023, VwV Stellplätze Sachsen 2005) als Referenz herangezogen.

3. Die drei Wege zum Bedarf

Je nach Datenlage stehen drei Pfade zur Verfügung. Sie liefern unterschiedlich belastbare Ergebnisse – der Rechner empfiehlt, wenn möglich, Pfad A.

Pfad A

Bestandszählung

Empirisch erhobener Bestand und Auslastung vor Ort. Belastbarste Methode, weil sie das reale Nutzungsverhalten abbildet.

Beispiel: 80 abgestellte Räder auf 100 Stellplätzen → Auslastung 80 %.

Pfad B

Kennzahlenbasiert

Bezugsgröße (z. B. m² Nutzfläche, Schüler:innen, Betten) × normierter Schlüssel je Standorttyp und Land.

Beispiel DE Büro: 2.000 m² NF ÷ 165 m²/Platz ≈ 13 Stellplätze.

Pfad C

Manuelle Eingabe

Der Bedarf wird vom Nutzenden direkt gesetzt – etwa nach eigener Bedarfsuntersuchung oder Vorgabe der Kommune.

Beispiel: Vorgabe Stellplatzsatzung: 25 Plätze.

4. Die Bedarfskette Schritt für Schritt (Pfad A)

Aus dem heutigen Bestand und der heutigen Auslastung wird der zukünftige Bedarf abgeleitet. Alle Zwischenergebnisse werden kaufmännisch aufgerundet.

  1. Schritt 1 — Auslastung ermitteln

    Auslastung = Räder ÷ Stellplätze. Ab 80 % gilt eine Anlage als voll . Für gesicherte Anlagen (Sammelschließanlagen, B+R) wird in der Schweizer Praxis mit 90 % gerechnet.

  2. Schritt 2 — Ausbaureserve

    Aufschlag von +40 % [1] – belegt für den Bike-and-Ride-Kontext (ÖPNV-Hub). Für andere Standorttypen gelten typabhängige Reservewerte aus location_types.reserve_default.

  3. Schritt 3 — Zukunftsfaktor

    Bezugsgröße heute → Zieljahr (z. B. Wachstum der Mitarbeitenden, Studierenden, Wohneinheiten) multipliziert mit einem Modal-Split-Faktor: 1,0 (konservativ), 1,1 (moderat), 1,25 (ambitioniert).

  4. Schritt 4 — Bestand abziehen

    Vom Zukunfts­bedarf wird der heutige (qualitativ geeignete) Bestand abgezogen. Das Ergebnis ist der Netto-Neubedarf.

  5. Schritt 5 — Gesicherter Mindestbedarf

    Für förderfähige gesicherte Anlagen (Sammelschließanlage, Fahrradparkhaus) wird ein Mindestumfang von 10 Stellplätzen [9] angesetzt.

  6. Schritt 6 — Sicherungszuschläge

    Aufschlag von +15 % als heuristischer Schätzwert. Dieser Wert ist nicht normbelegt und kann im Einzelfall angepasst werden.

5. Verteilung auf Bau- und Abstelltypen

Der ermittelte Gesamtbedarf wird auf Bautypen (Überdachungsgrad) und Abstelltypen (Bügel- und Parker-Mix) aufgeteilt. Die Vorbelegung kommt aus location_types.abstelltyp_mix und ist im Rechner manuell anpassbar.

Bautypen

  • Überdacht – die Standardlösung für kürzere und mittlere Standzeiten.
  • Sammelschließanlage – gesichert, für längere Standzeiten (Wohnen, Pendeln, B+R).
  • Fahrradparkhaus – als gleitende Empfehlung ab ca. 750 Stellplätzen; ab ~300 Plätzen als Option, ab ~750 klar.

Abstelltypen

  • Anlehnbügel – Standardlösung mit Rahmenanschluss.
  • Reihenbügel – platzsparend bei geringerem Komfort.
  • Doppelstockparker – flächenoptimiert für hohen Bedarf.
  • Sonderstellplätze – für Lastenräder, Anhänger und Spezialräder.

6. Stellplatzschlüssel je Standorttyp

„1 Stellplatz je …": Bezugsgröße und Schlüssel-Bandbreite für alle 13 Standorttypen, gefiltert nach Land. Werte live aus der Datenbank.

Stellplatzschlüssel für Deutschland
StandorttypBezugsgröße1 Platz je …DatenqualitätQuelle
Allgemein / eigene DefinitionOrientierungswert
Arbeitsstätte / Bürom² Nutzfläche110–220 (Empf. 165)belegt[1] FGSV 239 Hinweise zum Fahrradparken, Anhang/Tab. A1
Einzelhandel / Zentrumm² Verkaufsfläche25–40 (Empf. 32)belegt[1] FGSV 239 Hinweise zum Fahrradparken, Anhang/Tab. A1
m² Verkaufsfläche50–100 (Empf. 75)[1] FGSV 239 Hinweise zum Fahrradparken, Anhang/Tab. A1
m² Verkaufsfläche70–140 (Empf. 105)[1] FGSV 239 Hinweise zum Fahrradparken, Anhang/Tab. A1
Freizeit / Sport / BäderBesucher / Plätze10–20 (Empf. 15)Orientierungswert[4] VwV Stellplätze Sachsen (Richtzahlentabelle)
Gesundheit / KrankenhausBetten15–25 (Empf. 20)belegt[4] VwV Stellplätze Sachsen (Richtzahlentabelle)
Hochschule / UniversitätStudienplätze4–8 (Empf. 5)belegt[4] VwV Stellplätze Sachsen (Richtzahlentabelle)
Kindergarten / KitaKinder20–30 (Empf. 25)Orientierungswert[4] VwV Stellplätze Sachsen (Richtzahlentabelle)
ÖPNV-Hub / Bahnhof (B+R)Ein- / Aussteiger8–12 (Empf. 10)belegt[1] FGSV 239 Hinweise zum Fahrradparken, Anhang/Tab. A1
Schule (ab Sek I)Schüler:innen1.5–5 (Empf. 3)belegt[4] VwV Stellplätze Sachsen (Richtzahlentabelle)
Tourismus / BeherbergungBetten20–30 (Empf. 25)Orientierungswert[4] VwV Stellplätze Sachsen (Richtzahlentabelle)
Veranstaltung / StadionSitzplätze10–20 (Empf. 15)Orientierungswert[4] VwV Stellplätze Sachsen (Richtzahlentabelle)
Verwaltung / Behördem² Nutzfläche90–180 (Empf. 135)belegt[1] FGSV 239 Hinweise zum Fahrradparken, Anhang/Tab. A1
Wohnen / MFH / Quartierm² Wohnfläche20–40 (Empf. 30)belegt[1] FGSV 239 Hinweise zum Fahrradparken, Anhang/Tab. A1

Als Orientierungswert markierte Standorttypen besitzen keine fest normierten Schlüssel; sie dienen einer ersten Abschätzung. Für eine belastbare Planung ist eine örtliche Bedarfsuntersuchung empfohlen.

7. Kosten & Förderung

Drei-Stufen-Kostenmodell je Bauform – ebenerdig, überdacht, gesichert/Parkhaus – mit Bandbreiten je Land. Werte live aus cost_items.

Herstellungskosten je Stellplatz, Deutschland
BauformBezeichnungEinheitMinMedianMaxQuelle
gesichertSammelschließanlage gesichert€/SP170024003200[1]
ueberdachtÜberdacht / Doppelstock+Dach€/SP60011001700[7]
parkhausFahrradparkhaus / Tiefgarage€/SP200037505500[7]
ebenerdigAnlehnbügel ebenerdig€/SP100175250[7]

Aufschläge auf die Baukosten

  • Baukostenreserve: +10 %
  • Baustelleneinrichtung: +8 %
  • Baunebenkosten: +25 % auf Zwischensumme
  • MwSt. landabhängig (DE 19 %, AT 20 %, CH 8,1 %)

Förderprogramme

LandProgrammMaximalsatzHinweis
ATklimaaktiv mobil30 %100 EUR/Platz +100 EUR/E-Ladepunkt
CHSBB B+R50 %bis 50% Invest +50% Betrieb
DEStadt und Land75 % (Sonderf. 90 %)finanzschwach bis 90%, NRW bis 95%
DEFahrradparkhäuser an Bahnhöfen75 %bis 110 Mio EUR bis 2026

8. CO₂-Wirkung

Die jährliche CO₂-Einsparung ergibt sich aus den vermiedenen Pkw-Kilometern, multipliziert mit dem Substitutionsanteil und der Emissionsdifferenz Pkw − Pedelec:

CO₂Jahr = vermiedene Pkw-km × Substitutionsanteil × (Pkw-Faktor − Pedelec-Faktor)

Hinterlegte Werte

  • Pkw-Faktor DE: 164 g CO₂e/Pkm [7] – UBA / TREMOD 2024, jährlich zu prüfen.
  • Pedelec-Faktor: 5 g CO₂e/Pkm [7].
  • Substitutionsanteil: 50 % der zusätzlichen Radfahrten ersetzen eine Pkw-Fahrt.
  • Wegelänge Fahrrad: 3.7 km (MiD 2017 / NRVP 3.0).
  • Wegelänge Pedelec: 6.1 km (MiD 2017 / NRVP 3.0).
  • CO₂-Folgekostensatz: 670 €/t CO₂ – UBA-Methodenkonvention.

9. Grenzen & Ehrlichkeit

Der Rechner arbeitet mit Annahmen, die teils aus Normen stammen, teils heuristisch gesetzt sind. Folgende Werte sind als nicht streng normbelegt zu verstehen:

  • +40 % Ausbaureserve – belegt für Bike-and-Ride, anderswo typabhängig zu setzen.
  • +15 % Sicherungs­zuschläge – heuristisch, nicht normbelegt.
  • 80 %-Schwelle „voll" – Konvention; konfigurierbar 70–90 %.
  • Parkhaus-Schwelle 750 Plätze – als gleitende Empfehlung zu verstehen.
  • Förderprogramme ändern sich kurzfristig – die Werte werden nach bestem Wissen aktuell gehalten, sind aber stets gegen den Programmstand zu prüfen.
  • Im Einzelfall gilt stets die lokale Stellplatzsatzung der Kommune.

10. Quellenverzeichnis

Vollständige Liste der im Rechner referenzierten Quellen.

  1. [1] FGSV 239 Hinweise zum Fahrradparken, Anhang/Tab. A1 (2012)
  2. [2] Wiener Bauordnung, Novelle (2023)
  3. [3] VSS SN 640 065 Bedarfsermittlung Veloparkierung (2011)
  4. [4] VwV Stellplätze Sachsen (Richtzahlentabelle) (2005)
  5. [5] NRW Musterstellplatzsatzung (2019)
  6. [6] RVS-Leitfaden Salzburg/Kärnten (2022)
  7. [7] UBA/TREMOD 6.71B Verkehrsträgervergleich (2024)
  8. [8] Förderrichtlinie Stadt und Land (BMV/BALM) (2024)
  9. [9] klimaaktiv mobil (BMK/KPC) (2024)
  10. [10] SBB Velostationen-Förderung (2024)

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Der Bedarfsrechner ist ein kostenloses Werkzeug von neotopia. Auf Basis der hier beschriebenen Methodik liefert er in wenigen Minuten eine belastbare Vorkalkulation.

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